Zimmerpflanzen vom Balkon reinholen: Temperaturgrenze, Schädlingscheck und der Lichtschock, der Blätter kostet
Am 3. Oktober ist es in Berlin 11 Stunden und 28 Minuten hell, am 21. Dezember sind es nur noch 7 Stunden und 44 Minuten (Angaben von timeanddate.de). Die Monstera, die seit dem Frühjahr auf dem Balkon steht, hat in dieser Zeit mehr Licht bekommen, als ihr jede Fensterbank im Wohnzimmer bieten kann. Jetzt muss sie zurück in die Wohnung, und beim Umzug entscheidet sich, wie die nächsten fünf Monate verlaufen. Wer zu spät reinholt, riskiert Kälteschäden; wer ohne Kontrolle reinholt, schleppt Spinnmilben oder Schildläuse ein, und wer die Pflanze einfach an ihren alten Platz im Zimmer zurückstellt, sieht ihr in den folgenden Wochen beim Blätterabwerfen zu.
Nicht der Kalender entscheidet, sondern die Nachttemperatur
Als Faustregel gilt: Spätestens wenn die Nachttemperaturen regelmäßig unter 10 Grad fallen, gehören empfindliche Pflanzen ins Haus. Tropische Zimmerpflanzen wie Monstera, Drachenbaum, Dieffenbachie oder Bogenhanf sollten laut CHIP bei 10 bis 12 Grad drinnen stehen, manche Arten reagieren sogar schon empfindlich, wenn es dauerhaft unter 12 bis 15 Grad bleibt. Frost ist deshalb der falsche Maßstab: Bis eine Frostwarnung kommt, haben die Pflanzen meist schon mehrere Nächte im einstelligen Bereich hinter sich, und Kälteschäden zeigen sich oft erst Tage später als schwarze Stellen oder schlaffe Triebe. Anfang Oktober fallen die Nächte in Deutschland häufig schon in diesen Bereich, und deshalb empfehlen wir, jetzt jeden Abend die Tiefstwerte der kommenden Nacht anzusehen. Hibiskus, Bougainvillea, Dipladenia und Zitruspflanzen müssen nach CHIP-Angaben in jedem Fall vor dem ersten Frost umziehen. Allen anderen bleibt ein Spielraum, den man aber nicht bis zum letzten Tag ausreizen sollte.
Ausnahmen gibt es, und sie schaffen Platz im Flur. Mediterrane Kübelpflanzen wie Zitrus, Oleander oder Bougainvillea gelten als robust bis etwa 5 Grad und dürfen deshalb etwas länger draußen bleiben, sind aber nicht frosthart. Kakteen und Sukkulenten vertragen kühlere Nächte als alles, was weiche, tropische Blätter trägt. Die Monstera, der Ficus und die Calathea gehören dagegen auf die Liste für diese Woche.
Schädlingscheck vor der Haustür
Draußen halten natürliche Gegenspieler Schädlinge in Schach, drinnen fehlen sie, und trockene Heizungsluft sowie hohe Zimmertemperaturen begünstigen ihre Vermehrung (so beschreiben es NDR und Neudorff). Prüfen Sie jede Pflanze bei gutem Licht, bevor sie über die Schwelle kommt:
- Blattunterseiten, vor allem entlang der Mittelrippe, wo sich Spinnmilben, Larven der Weißen Fliege und junge Schildläuse sammeln
- Stängel und Blattachseln, an denen Schildläuse als erhabene braune Scheiben und Wollläuse als weiße, watteartige Klümpchen sitzen
- Abzugslöcher und Topfunterseite, denn dort verstecken sich Ameisen, Asseln und Schnecken
- feine Gespinste an den Triebspitzen, silbrig helle Sprenkel auf dem Laub oder ein klebriger Belag, der laut NDR auf Spinnmilben beziehungsweise Schild- und Wollläuse hindeutet
Danach brausen Sie das gesamte Laub ab, Ober- und Unterseite, weil das den Großteil der Milben und ihrer Eier schon vor jeder Behandlung entfernt. Den Topf stellen Sie 15 bis 20 Minuten in einen Eimer Wasser, sodass die Erdoberfläche untergetaucht ist; Ameisen, Asseln und Ohrwürmer verlassen den Ballen dabei von selbst, und danach muss er vollständig abtropfen. Das gilt auch für Pflanzen, an denen Sie bei der Kontrolle nichts gefunden haben, denn Abbrausen und Tauchbad kosten zehn Minuten pro Pflanze und fangen ab, was zu klein oder zu gut versteckt war. Wer Befall entdeckt, behandelt vor dem Einräumen mit Kali-Seife oder einem Neem-Präparat nach Packungsangabe und wiederholt die Behandlung nach sieben Tagen, weil frisch geschlüpfte Tiere eine einzelne Anwendung überstehen. Bei Spinnmilben rät der NDR dazu, die Pflanze von den anderen zu trennen, gründlich abzuduschen und anschließend eine durchsichtige Plastiktüte darüberzustülpen; die höhere Luftfeuchtigkeit setzt den Milben zu.
Und wohin mit zehn Töpfen, wenn die Wohnung keinen freien Raum für eine Quarantäne hat? Ein Gästezimmer, ein heller Flur oder ein Bad mit Fenster tun es genauso, solange die Neuankömmlinge nicht direkt neben den Pflanzen stehen, die den Sommer drinnen verbracht haben. Die Empfehlungen zur Dauer reichen von ein bis zwei bis zu drei bis vier Wochen. Wir halten mindestens zwei Wochen für sinnvoll und schauen in dieser Zeit einmal pro Woche auf die Blattunterseiten, denn eine Pflanze, die am ersten Tag sauber aussieht, kann nach zwölf Tagen befallen sein.
Der Lichtschock: warum die Monstera in der alten Ecke Blätter verliert
Ein Platz im Freien liefert selbst im Schatten oft noch deutlich mehr Licht als eine helle Fensterbank, und genau deshalb ist der Sprung vom Balkon in die Zimmerecke zwei Meter vom Fenster der Fehler, der im Oktober die meisten Blätter kostet. Die Zahlen von licht.de zeigen, wie knapp es drinnen wird: Die meisten Pflanzen brauchen demnach mehr als 1.000 Lux, und zwar bis zu 16 Stunden am Tag. Als Richtwerte zum bloßen Erhalt bei 20 Grad nennt licht.de 500 Lux für Bergpalme und Drachenbaum, 1.000 Lux für Gummibaum und Sansevieria sowie 1.500 Lux für Yuccapalme und Zimmeraralie; für Wachstum ist jeweils das Doppelte nötig. Hinzu kommt, dass höhere Raumtemperaturen überproportional mehr Licht erfordern: Wo bei 20 Grad 2.000 Lux genügen, müssten es bei 25 Grad mindestens 2.800 sein. Ein 23 Grad warmes Wohnzimmer mit Pflanzen in der Raumtiefe ist also gleich doppelt ungünstig, und wer die Heizung im Herbst hochdreht, verschärft das Problem für die Grünpflanzen. Die Faustregel aus Öko-Test und CHIP lautet entsprechend: Je weniger Licht eine Pflanze bekommt, desto kühler sollte sie stehen.
Federn Sie den Übergang deshalb ab. Stellen Sie die Pflanzen etwa eine Woche vor dem Umzug an den schattigsten Platz, den der Balkon hergibt, oder holen Sie sie mehrere Tage lang nur nachts herein und tagsüber wieder hinaus. Drinnen bekommen sie zunächst den hellsten verfügbaren Platz, auch wenn er nicht der endgültige ist, umgestellt wird erst nach einigen Wochen. Etwas Blattverlust gehört trotzdem dazu, denn Öko-Test nennt es als Folge des winterlichen Lichtmangels ausdrücklich normal. Solange neue Blätter nachkommen, lassen Sie die Pflanze in Ruhe. Auf Umtopfen verzichten Sie jetzt am besten, es sei denn, die Wurzeln wachsen schon aus den Abzugslöchern, denn frische, durchfeuchtete Erde im Winter lädt zu Wurzelfäule und Trauermücken ein.
Ein Südfenster klingt nach der sicheren Wahl, und laut MDR kommt dort im Winter tatsächlich genug Licht für alle Pflanzen an. Die Einschränkung: Liegt das Fenster zurückgesetzt, in einer tiefen Laibung oder hinter einer überdachten Terrasse, dringt deutlich weniger Licht in den Raum, egal wie die Himmelsrichtung heißt. Und wer Pflanzen in Räume ohne Fenster oder in dunkle Flure stellt, kommt um eine LED-Pflanzenleuchte nicht herum. Als Beleuchtungsdauer nennt licht.de zwölf bis 16 Stunden; eine Zeitschaltuhr erspart das tägliche Ein- und Ausschalten, und für einzelne Pflanzen ist eine warmweiße Lichtfarbe geeignet.
Wohin mit welcher Pflanze: Standortplanung für Wohnzimmer und Flur
Pflanzen, die über den Raum verteilt in jeder freien Ecke stehen, sehen selten nach Konzept aus und bekommen selten genug Licht. Besser ist ein Pflanzenregal oder eine Gruppe am Ost- oder Westfenster, weil sich dort bei Sonnenschein kein Hitzestau entwickelt (so Öko-Test). Die folgende Zuordnung orientiert sich an den Standortlisten des MDR:
| Standort | Passende Pflanzen (Auswahl) | Worauf Sie achten |
|---|---|---|
| Süd- und Südostfenster | Kakteen, Sukkulenten, Yuccapalme, Zitrus, Bogenhanf, Elefantenfuß | Im Winter hell genug für alle, im Sommer ohne Schattierung zu heiß |
| Ost-, West- und zurückgesetzte Fenster | Drachenbaum, Grünlilie, Geigenfeige, Glücksfeder, Monstera, Gummibaum | Gefilterte Sonne, am Westfenster im Sommer bis in den späten Nachmittag intensiv |
| Nordfenster | Philodendron, Efeutute, Kentiapalme, Efeu, Usambaraveilchen | Nur diffuses Licht, tropische Arten kommen damit am besten zurecht |
| Raumtiefe, Flur ohne Fenster | keine dauerhaft | Nur mit Pflanzenleuchte |
Beim Stellen selbst gibt es drei Dinge, die immer wieder schiefgehen. Pflanzen gehören nicht über den Heizkörper, weil dort trockene Luft aufsteigt, und beim Lüften nehmen Sie die Töpfe aus dem Zug; bei großen, schweren Pflanzen hilft ein Rollbrett. Außerdem sollten die Blätter keine kalte Fensterscheibe berühren, und gegen Kälte von unten schützt eine Unterlage aus Kork oder Holz unter dem Topf (gilt umgekehrt auch bei Fußbodenheizung). Wir empfehlen außerdem, Pflanzen nachts nicht zwischen Scheibe und zugezogenen Vorhang zu stellen, denn laut MDR wird es dort schnell zu kalt, und tagsüber schlucken Vorhänge ohnehin viel Licht. Farne, Drachenbaum, Ficus und Elefantenfuß mögen es nach NDR-Angaben mit 16 bis 20 Grad etwas kühler; ein heller Hausflur oder das Schlafzimmer sind für sie bessere Plätze als die Wohnzimmerecke neben dem Heizkörper.
Gießen, Düngen und Luft in der Heizsaison
Die meisten Zimmerpflanzen brauchen jetzt ungefähr einmal pro Woche Wasser, wie NDR, Neudorff und Öko-Test übereinstimmend schreiben. Elefantenfuß und Kakteen kommen mit einem Abstand von zwei bis drei Wochen aus, die Glücksfeder reicht nach Neudorff-Angaben mit etwa zwei Wochen. Entscheidend ist trotzdem nicht der Kalender, sondern der Finger: Gegossen wird erst, wenn die oberste Erdschicht trocken ist, am besten mit zimmerwarmem, kalkarmem Wasser, und im Untersetzer darf nach kurzer Zeit kein Wasser mehr stehen. Eine Pflanze auf der Fensterbank über dem Heizkörper trocknet schneller aus und wird häufiger gegossen, auch wenn dieser Platz an sich nicht zu empfehlen ist.
Düngen Sie ab jetzt nicht mehr. Neudorff lässt als Ausnahme höchstens alle sechs bis acht Wochen eine sehr geringe Dosis zu, wenn eine Pflanze erkennbar weiterwächst, Öko-Test rät im Winter ganz davon ab. Die Ruhezeit endet laut Öko-Test Ende Februar, wenn die Pflanzen neue Triebe bilden. Gegen trockene Heizungsluft helfen kalkarmes Wasser zum Besprühen, Schalen mit feuchtem Blähton im Untersetzer oder ein Luftbefeuchter; Kakteen und Sukkulenten brauchen das nicht.
Trauermücken brüten in dauerhaft feuchter Erde, und mit dem Einräumen ist diese Brutstätte plötzlich im Wohnzimmer. Lassen Sie die Oberfläche antrocknen oder bedecken Sie sie mit einer dünnen Sandschicht, wie es der NDR vorschlägt. Gelbtafeln fangen vor allem die erwachsenen Tiere und zeigen den Befall an, gegen die Larven in der Erde helfen Nematoden der Art Steinernema feltiae, die allerdings ein feuchtes Substrat brauchen und bei Kakteen deshalb wenig praktikabel sind.
Noch ein Handgriff, den man im Frühjahr gern vergisst: Fotografieren Sie jetzt, wo jede Pflanze ihren Sommer draußen verbracht hat. Im März wissen Sie sonst nicht mehr, welche Ecke ihr so gutgetan hat, und bis dahin zeigen nur neue Triebe an, dass die Ruhezeit vorbei ist.