Trockenbau selbst gemacht: Wände und Decken aus Rigips

Trockenbau selbst gemacht: Wände und Decken aus Rigips

Mit Rigips zum Traumzimmer: So gelingt Trockenbau im Eigenheim

Stellen Sie sich vor: Sie betreten Ihr Wohnzimmer und erkennen es kaum wieder. Wo früher raue Betonwände waren, spannt sich jetzt eine ebenmäßige, tadellose Gipskartonwand. Das Beste daran? Sie haben das selbst geschafft. Trockenbau mit Rigips ist keine Hexerei – mit den richtigen Werkzeugen und etwas Geduld schafft das auch ein ambitionierter Heimwerker.

Warum Trockenbau die moderne Lösung ist

Trockenbau hat sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz längst zum Standard entwickelt. Gegenüber klassischem Nassputz hat das System unschlagbare Vorteile: Sie benötigen keinen Handwerker mit Zunftbrief, es entsteht deutlich weniger Schmutz, und die Trocknungszeit fällt komplett weg. Eine Rigipsplatte ist bereits nach wenigen Stunden bespachtelbar – bei Nassputz vergehen Wochen.

Ein weiterer Grund für die Beliebtheit: Trockenbau ermöglicht problemlos Schallschutz und Wärmedämmung. In einem Altbau in München oder Wien lassen sich damit Lärmprobleme elegant lösen, ohne die Raumhöhe zu sehr zu reduzieren.

Die Materialauswahl: Welche Rigipsplatten brauchen Sie?

Im Baumarkt finden Sie ein großes Sortiment. Die klassische Rigips Standard-Platte (auch weiße Platte genannt) reicht für Wohnzimmer und Schlafzimmer aus. Sie kostet zwischen 4,50 und 6 EUR pro Quadratmeter und ist 12,5 mm dick – das ist der Standard.

Für Nassräume wie Badezimmer brauchen Sie Rigips Feuchtraum-Platten (grüne Platten). Diese enthalten Hydrophobierungsmittel und kosten etwa 15–20 EUR pro Quadratmeter. Gleiches gilt für Küchen. Sparen Sie hier nicht, denn Feuchtigkeitsschäden sind teuer.

Dickere Platten (15 mm) bieten bessere Schalldämmung und Stabilität – ideal für Trennwände zwischen Wohnzimmer und Homeoffice. Für Decken im Badezimmer empfehlen sich imprägnierten Platten mit erhöhter Feuchtebeständigkeit.

Werkzeuge: Das brauchen Sie wirklich

Einer der häufigsten Anfängerfehler ist, mit falschem Werkzeug zu arbeiten. Investieren Sie hier lieber einmalig richtig:

  • Gipskartonschneider: Für straße, saubere Schnitte. Das Modell von Wolfcraft kostet etwa 35 EUR und erspart Ihnen Frustrationen.
  • Spachtelmesser: Mindestens zwei – ein 20er und ein 40er. Qualität von Knauf oder Rigips ist sinnvoll.
  • Fugenglätter: Für breite, ebenmäßige Fugen. Das 60er oder 80er Modell ist ein guter Anfang.
  • Maurerwaage: Ohne diese arbeiten Sie blind. Eine 150 cm Waage kostet rund 25 EUR.
  • Dübel und Schrauben: Für die Befestigung an Mauerwerk. Universaldübel (6er oder 8er) und spezialisierte Gipskartonschrauben sind ideal.
  • Fugenspachtel und Schleifpapier: Die Marke Knauf gilt in Deutschland und Österreich als Standard und ist weit verbreitet.

Schritt für Schritt: Ihre erste Trockenbau-Wand

Beginnen Sie mit einer nicht tragenden Innenwand – das ist am sichersten. Markieren Sie die Position mit einer Schnur und einer Wasserwaage. In Deutschland und der Schweiz schreiben die Normen (DIN 18040, VSG) vor, dass tragende Wände nicht selbst gebaut werden dürfen.

Bauen Sie zuerst das Ständerwerk aus Metall-Ständern (CW oder UW-Profile). Diese sind günstiger als Holz und verbiegen sich nicht. Achten Sie auf einen Ständerabstand von maximal 62,5 cm – das ist die optimale Breite für eine 1.200 mm breite Rigipsplatte.

Die Verspachtelung ist der kritischste Arbeitsschritt. Viele Anfänger machen hier Fehler:

  1. Erste Lage: Dünne Schicht aus Fugenspachtel (ca. 2–3 mm) in die Fuge drücken.
  2. Trocknen lassen (etwa 24 Stunden je nach Klima und Raumfeuchte).
  3. Zweite Lage: Breitere Schicht auftragen (40er oder 60er Glätter).
  4. Dritte Lage: Mit feinem Schleifpapier glätten und folgende Schicht auftragen.

Ein Profi braucht 5–7 Lagen für eine perfekte Oberfläche – das ist völlig normal. Hetzen Sie nicht. In feuchten Kellern oder während der Heizperiode verlängern sich die Trocknungszeiten erheblich.

Trockenbau an der Decke: Die Königsdisziplin

Deckenarbeiten sind anspruchsvoller als Wände. Sie brauchen eine stabile Arbeitsbühne oder ein gut dimensioniertes Gerüst – improvisierte Lösungen führen zu unsauberen Arbeiten und Verletzungen. Eine einfache Gerüstanlage mieten Sie in Wien oder Berlin für etwa 80–120 EUR pro Woche.

An der Decke empfehlen sich dünnere Platten (12,5 mm) wegen des Gewichts. Achten Sie darauf, dass die Befestigung alle 15–20 cm erfolgt, sonst hängen die Platten später durch. Nach dem Anbringen sind mindestens drei Verspachtelungsschichten nötig.

Häufige Anfängerfehler vermeiden

Nicht alle Fehler sind sichtbar – manche zeigen sich erst später. Verwenden Sie niemals reguläre Spachtelmasse in Nassräumen; die Feuchte zerstört die Struktur. Gleiches gilt für falsche Dübel: Bei leichten Lasten an Trockenbauwänden brauchen Sie spezielle Gipskarton-Dübel, keine Standard-Fischer-Dübel.

Achten Sie auch auf Stoßstellen: Dort, wo zwei Plattenenden aufeinandertreffen, entsteht eine schwierige Fuge. Verschieben Sie Stöße bei nebeneinander liegenden Reihen um mindestens eine Plattenbreite – so vermeiden Sie Risse.

Kosten kalkulieren: Was ist realistisch?

Für einen Quadratmeter Trockenbauarbeit (mit Material) rechnen Sie im Selberbauprojekt mit etwa 20–30 EUR. Material macht dabei etwa 8–12 EUR aus (Standard-Rigipsplatte + Spachtel + Dübel). Der Rest ist Ihre Arbeitszeit und Werkzeugverschleiß. Ein Zimmer mit 30 Quadratmetern kostet Sie also rund 600–900 EUR Material – zum Vergleich: Ein Handwerker würde 1.500–2.500 EUR verrechnen.

Nachhaltigkeit und Entsorgung

Nach der Arbeit bleibt Verschnitt übrig. Rigips ist zu 100 Prozent recyclebar – in Deutschland und Österreich gibt es spezialisierte Verwertungsanlagen. Fragen Sie in Ihrem Baumarkt nach, wo Verschnitt abgegeben werden kann. Die meisten Läden bieten kostenlose Annahme an.

Wenn Sie sich selbst vertrauen, bespachtel Sie Ihre Wand so sorgfältig, dass Sie später nur noch die Farbrolle nehmen müssen – und genießen Sie das Gefühl, ein echtes Handwerk beherrscht zu haben.