Stoßlüften im Herbst: Fünf bis zehn Minuten reichen, wenn der Heizkörper dabei aus ist

Im Oktober ist es draußen noch mild, drinnen aber kippt die Stimmung schnell. Morgens liegt die Temperatur im Wohnzimmer bei 19 Grad, am Abend sinkt sie an der Außenwand spürbar, und plötzlich beschlagen die Scheiben. Wer in dieser Phase zum ersten Mal die Heizung hochdreht und die Fenster anlässt, wie sie sind, verliert doppelt: Wärme geht verloren, und an der kältesten Stelle der Wohnung sammelt sich Feuchtigkeit. Das Stoßlüften löst beide Probleme gleichzeitig, wenn man es richtig macht. Die Regeln dafür sind einfach, aber sie werden häufig vermischt.

Warum das Kipp-Fenster im Herbst teuer wird

Das Kipp-Fenster ist bequem, weil man es nicht schließen muss. Genau darin liegt das Problem. Das Umweltbundesamt weist ausdrücklich darauf hin, dass ständig gekippte Fenster den Energieverbrauch und die Heizkosten drastisch erhöhen, wenn sie über längere Zeit offen bleiben. Gleichzeitig kühlt die Wand entlang des Fensters rasch aus. Trifft warme, feuchte Raumluft auf diese kalte Fläche, schlägt sich Wasser nieder, und daraus entsteht Schimmel, oft hinter Möbeln oder in den Raumecken, wo man ihn zuletzt sucht. Die Behörde empfiehlt deshalb, stattdessen regelmäßig und nach Bedarf stoßzulüften. Wir empfehlen, das Kipp-Fenster im Winter nur noch für Ausnahmen zu nutzen, etwa wenn ein Raum kurz frische Luft braucht und niemand die Heizung dafür anfassen muss.

Fünf bis zehn Minuten, weit offen, möglichst quer

Das Bundesumweltministerium nennt für den Winter eine klare Zahl: Fünf bis zehn Minuten reichen aus, wenn das Fenster weit geöffnet ist. Das Umweltbundesamt rechnet etwas knapper und empfiehlt in der kalten Jahreszeit zwei- bis dreimal am Tag etwa fünf Minuten pro Raum, je nach Temperatur und Wind. Beide Angaben passen zusammen, denn es kommt weniger auf die Minute als auf die Öffnung an. Ein Fenster, das nur einen Spalt offen steht, tauscht kaum Luft aus, dafür kühlt es die Wand umso stärker aus.

Besonders wirksam ist der Durchzug. Wenn Sie zwei gegenüberliegende Fenster gleichzeitig öffnen, wird der Luftwechsel deutlich größer als bei einem einzelnen Fenster, und die Luft ist in wenigen Minuten ersetzt. In einer Wohnung mit Flur lohnt es sich, die Zimmertür zur Seite zu öffnen. Wer nur ein Fenster hat, stellt sich am besten vor das offene Fenster und wartet, bis die Frischluft im Raum ankommt, statt den Vorgang zu verlängern.

Ein Detail, das viele übersehen: Die Stoßlüftung wirkt am besten, wenn die Luft in der Wohnung und draußen unterschiedlich warm ist. Bei milden Oktobertagen mit etwa gleicher Temperatur innen und außen tauscht sich die Luft langsamer aus, weshalb die Empfehlung für die warme Jahreszeit mit 10 bis 20 Minuten deutlich länger ausfällt. Im Herbst liegt man mit fünf bis zehn Minuten in der Regel richtig, sobald die Heizung läuft und es draußen kühl wird.

Der Heizkörper gehört in dieser Zeit zugedreht

Hier verschenken die meisten Haushalte Energie. Wer das Fenster öffnet, während die Heizung auf Hochtouren läuft, heizt im Grunde die Straße. Das Bundesumweltministerium rät, Heizkörper bei geöffnetem Fenster abzudrehen. Das gilt vor allem für Räume, in denen Sie gerade lüften, während Sie die übrige Wohnung weiter beheizen.

Mit dem Abdrehen sollten Sie allerdings nicht übertreiben. Dieselbe Behörde empfiehlt, alle Räume dauerhaft auf mindestens 17 Grad Celsius zu halten und in Fluren etwa 15 Grad zu genügen lassen. Das Umweltbundesamt ergänzt, dass die Schimmelgefahr in bewohnten Wohnungen steigt, sobald die Raumtemperatur unter 16 bis 18 Grad absinkt. Eine Wohnung, die man während des Tages ausskühlen lässt, ist also schneller feucht als eine gleichmäßig temperierte. Nach dem Lüften stellen Sie den Thermostat wieder auf die vorherige Stufe, und die Wand kommt in den Normalbetrieb zurück.

Die Nachtabsenkung ist deshalb der bessere Weg. Die Heizung läuft tagsüber auf konstanter Temperatur und wird nachts gedrosselt. Das verhindert, dass ein Raum tagsüber komplett kalt wird, und spart trotzdem Energie, weil nachts nicht geheizt werden muss.

Bad und Küche: Feuchtigkeitsspitzen sofort abführen

Wasserdampf ist unsichtbar, bis er an der Scheibe hängt.

Duschen, Baden und Kochen erzeugen in kurzer Zeit sehr viel Wasserdampf. Das Umweltbundesamt bezeichnet diese Feuchtespitzen ausdrücklich als Problem, das man unmittelbar durch intensive Fensterlüftung beseitigen sollte. Die Empfehlung liegt bei fünf bis zehn Minuten mit weit geöffnetem Fenster, und zwar während des Kochens oder Duschens und direkt danach. Wer ein Fenster ohne Lüftungsmöglichkeit hat, sollte den Spiegel und die Wand nach dem Duschen mit einem Fensterabzieher trockenwischen. Das klingt nach Kleinkram, verhindert aber viel, was später als Schimmelfleck auftaucht.

Ein Fehler, der sich leicht vermeiden lässt, betrifft die Türen. Bad- und Küchentür sollten während des Lüftens geschlossen bleiben, sonst verteilt sich die Feuchtigkeit in der gesamten Wohnung. Ähnlich ist es mit der Wäsche: Wer sie in der Wohnung trocknet, muss deutlich häufiger lüften, und ein Wäschetrockner, der die feuchte Abluft nicht über Kondensation abführt, braucht einen Schlauch ins Freie, sonst bleibt die Feuchtigkeit im Raum. Wäscheplätze im Trockenraum oder auf dem Balkon sind in dieser Jahreszeit die sauberere Lösung, sofern es das Wetter erlaubt.

Die Luftfeuchte messen statt schätzen

Das Gefühl täuscht bei der Luftfeuchte. Ob es in einem Raum zu feucht ist, merkt man oft erst, wenn der Schimmel schon sichtbar ist. Das Umweltbundesamt nennt als Zielwert eine relative Luftfeuchte zwischen 40 und 60 Prozent. Ein einfaches Hygrometer, wie man es im Baumarkt oder im Elektrofachhandel findet, zeigt Ihnen die Werte an. Wenn das Gerät über längere Zeit mehr als 60 Prozent anzeigt, ist das der Moment, in dem Sie häufiger lüften oder Feuchtequellen reduzieren sollten.

Die Messung hat noch einen zweiten Nutzen. Stellen Sie das Hygrometer an die Außenwand, hinter das Sofa oder in die Raumecke, und Sie sehen, wo die Feuchte hängen bleibt. Genau dort lohnt sich der Blick auf die Wand, bevor man das Problem in der Luft sucht. Möbel, die dicht an einer kalten Außenwand stehen, und dicke Vorhänge, die bis auf den Boden reichen, verhindern die Luftzirkulation an der Wand. Wer hier etwas Abstand schafft, bringt an dieser Stelle mehr als zusätzliches Lüften.

Wo die Regel an ihre Grenzen stößt

Nicht jede Wohnung reagiert gleich. In einem Altbau mit schlecht gedämmten Außenwänden kühlt jede Wand schneller aus, und die Luftfeuchte steigt schon bei normalem Verhalten schneller an. Wer dort nur eine Vorgabe aus dem Ratgeber übernimmt, kommt oft nicht weit. Hier hilft eine Kombination aus Messen, gezieltem Lüften und, wo nötig, einer Beratung durch einen Energieberater der Verbraucherzentrale.

Auch nach einer Sanierung ändert sich das Lüftungsverhalten. Wird die Gebäudehülle dichter, etwa durch neue Fenster oder eine Dämmung, fällt die passive Lüftung über die Ritzen weg. Die Bewohner merken davon zunächst kaum etwas, denn die Wohnung wirkt dichter und ruhiger. Gerade deshalb wird das Problem oft erst sichtbar, wenn die ersten Flecken auftauchen. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass diese fehlende Luft durch bewusstes aktives Lüften ausgeglichen werden muss. Gleiches gilt für Neubauten: Die Restfeuchte aus Putz und Estrich verschwindet laut Umweltbundesamt in massiven Gebäuden erst nach ein bis zwei Jahren, und in dieser Zeit müssen Sie mit höheren Heizkosten rechnen. Wer in dieser Phase konsequent stoßlüftet, verkürzt diesen Zeitraum spürbar.

Eine Lüftungsanlage kann die Fensterlüftung teilweise ersetzen. Das Umweltbundesamt sagt dazu: Gibt es eine Anlage für die gesamte Wohnung, kann auf das Fensterlüften fast vollständig verzichtet werden. Sie muss allerdings jährlich gewartet und die Filter mindestens einmal im Jahr gewechselt werden, sonst entsteht auch in der Lüftung selbst Schimmel. Wer nur ein Badlüfter-Gerät hat, muss den Rest der Wohnung weiterhin über die Fenster lüften.

Am Ende zählt weniger die perfekte Technik als die Gewohnheit. Eine Stoßlüftung am Morgen, eine nach dem Duschen und eine am späten Nachmittag bringen die Luft in einen Zustand, in dem Wände und Möbel trocken bleiben. Probieren Sie das eine Woche lang aus und schauen Sie aufs Hygrometer, bevor Sie etwas am Heizkörper ändern.