Ende Oktober klingelt bei vielen Schornsteinfegern das Telefon im Minutentakt – dann nämlich, wenn die ersten kalten Nächte kommen und der Kaminofen zum ersten Mal seit dem Frühjahr wieder brennen soll. Wer jetzt, im Spätsommer, noch keinen Termin hat, steht im Oktober oft vor der Wahl: sechs Wochen warten oder ungeprüft heizen. Beides ist keine gute Idee, und beides lässt sich mit ein paar Wochen Vorlauf vermeiden.
Warum der August der richtige Monat für den Anruf ist
Schornsteinfeger arbeiten ihre Kundenlisten in der Regel chronologisch ab, und ab September füllt sich der Kalender rapide. Wer im August anruft, bekommt fast immer einen Termin innerhalb von zwei bis drei Wochen; wer im November anruft, wartet häufig bis ins neue Jahr. Die reguläre Kehrung und die Feuerstättenschau sind ohnehin gesetzlich vorgeschrieben – die Frage ist nur, ob Sie den Termin selbst wählen oder ob er Sie im schlechtesten Moment findet, mitten im ersten Kälteeinbruch.
Die Kosten für eine reguläre Kehrung liegen je nach Region zwischen 40 und 90 Euro pro Einsatz, die Feuerstättenschau schlägt mit weiteren 10 bis 20 Euro zu Buche. Bei einem klassischen Kaminofen mit Holzbefeuerung verlangt der Gesetzgeber je nach Nutzungsintensität ein- bis zweimal jährlich eine Kehrung, bei intensiver Dauernutzung auch häufiger. Seit 2013 dürfen Sie die reine Kehrung, die Überprüfung und die Emissionsmessung frei an einen zugelassenen Betrieb Ihrer Wahl vergeben – nur die hoheitliche Feuerstättenschau bleibt dem für Ihren Bezirk zuständigen Schornsteinfeger vorbehalten. Diese Aufteilung nutzen viele Eigentümer, um bei freien Kehrbetrieben günstigere Konditionen zu verhandeln, was bei zwei bis drei Terminen im Jahr durchaus ein paar Dutzend Euro ausmachen kann.
Die neue Grenzwertstufe trifft vor allem ältere Öfen
Seit dem 31. Dezember 2024 gilt für Kaminöfen, die zwischen dem 1. Januar 1995 und dem 21. März 2010 gebaut und in Betrieb genommen wurden, die zweite Stufe der 1. BImSchV: Feinstaub darf 0,15 Gramm pro Kubikmeter Abgas nicht überschreiten, Kohlenmonoxid maximal 4 Gramm pro Kubikmeter. Der Schornsteinfeger kontrolliert das bei der nächsten regulären Feuerstättenschau anhand des Typenschilds oder, falls das fehlt, anhand einer Bescheinigung des Herstellers. Öfen, die nach dem 21. März 2010 gebaut wurden, erfüllen die Werte in aller Regel automatisch und sind von der Kontrolle nicht betroffen.
Wer einen älteren Ofen besitzt und die Grenzwerte nicht nachweisen kann, hat drei Optionen: einen Feinstaubfilter nachrüsten, der je nach Modell und Einbausituation zwischen 500 und 1.500 Euro kostet; den Ofen gegen ein neues, konformes Modell tauschen; oder den Ofen stilllegen und ausschließlich als Deko-Element ohne Betrieb weiternutzen. Ein Nachrüstfilter lohnt sich fast nur bei hochwertigen, sonst intakten Öfen mit noch langer Lebenserwartung – bei einem zwanzig Jahre alten Standardmodell ist ein Neukauf meistens die wirtschaftlichere Wahl, selbst wenn der Filter auf den ersten Blick günstiger wirkt.
Was ein neuer Ofen heute kostet
Ein solider Kaminofen mit fünf bis acht Kilowatt Nennleistung, der die aktuelle Stufe der BImSchV ohne Zusatzfilter erfüllt, kostet bei Herstellern wie Hark, Spartherm, Skantherm oder Wodtke zwischen 2.000 und 4.500 Euro – reine Gerätekosten, ohne Montage und ohne eventuell nötige Anpassung des Schornsteins. Wer auf eine wasserführende Variante setzt, die einen Teil der Wärme direkt in die Heizungsanlage einspeist, muss mit 5.000 bis 9.000 Euro rechnen, dafür sinkt der Gasverbrauch im Winter spürbar. Skandinavische Marken wie Jøtul oder das österreichische Unternehmen Rika bewegen sich preislich in einer ähnlichen Spanne, punkten aber häufig mit schlankeren Gehäusen für kleine Wohnzimmer.
Rechnen Sie zusätzlich mit 300 bis 800 Euro für die fachgerechte Montage inklusive Anschluss an den Schornstein, je nachdem, ob bereits ein passender Anschluss vorhanden ist oder erst ein neuer Wanddurchbruch nötig wird. Ein Punkt, den viele unterschätzen: Vor dem Kauf muss der zuständige Schornsteinfeger den geplanten Ofentyp und die Schornsteinmaße prüfen, denn nicht jeder moderne Ofen passt an jeden alten Schornstein – ein zu groß dimensionierter Querschnitt kann bei modernen, effizienten Öfen zu Kondensat und Versottung führen.
Brennholz richtig lagern – der unterschätzte Faktor
Selbst der beste Ofen erfüllt die Grenzwerte nicht, wenn das Holz zu feucht ist. Vorgeschrieben ist eine Restfeuchte von maximal 25 Prozent, gemessen mit einem einfachen Feuchtemessgerät für 15 bis 30 Euro aus dem Baumarkt. Frisch geschlagenes Buchen- oder Eichenholz liegt bei 50 bis 60 Prozent Feuchte und braucht, luftig und überdacht gelagert, mindestens zwei Sommer, um auf den erlaubten Wert zu kommen. Wer im August noch grünes Holz für den kommenden Winter kauft, verbrennt im Zweifel Wasser statt Wärme und produziert dabei genau den Feinstaub, den die neue Grenzwertstufe eigentlich verhindern soll.
Nadelholz wie Fichte oder Kiefer trocknet schneller, brennt aber auch schneller ab und funkt stärker – für den Kamin im Wohnzimmer eignen sich Buche, Eiche und Esche deutlich besser, auch wenn sie im Baumarkt oder beim regionalen Holzhändler pro Raummeter meist 10 bis 15 Euro mehr kosten als Nadelholz. Diesen Aufpreis würde ich zahlen: Ein Raummeter trockenes Buchenholz für aktuell 90 bis 130 Euro brennt gleichmäßiger, hält länger und verschmutzt die Scheibe deutlich weniger als frisches Nadelholz zum Schnäppchenpreis. Wer jetzt kauft, hat außerdem die besten Chancen auf noch verfügbare, bereits abgelagerte Ware – im Oktober greifen viele Händler nur noch auf frisch geschlagenes Holz zurück.
Was der Schornsteinfeger bei der Feuerstättenschau konkret prüft
- Typenschild oder Herstellerbescheinigung als Nachweis der Emissionswerte
- Zustand von Dichtungen, Tür und Sichtscheibe
- Korrekter Anschluss an den Schornstein und passender Querschnitt
- Mindestabstände zu brennbaren Materialien wie Holzverkleidungen oder Möbeln
- Ob ein Funkenschutzblech oder eine feuerfeste Bodenplatte vorhanden ist, sofern der Boden nicht ohnehin aus nicht brennbarem Material besteht
- Bei manchen Modellen zusätzlich eine Messung der tatsächlichen Abgaswerte im laufenden Betrieb – dafür muss der Ofen zum Termin bereits einige Zeit in Betrieb gewesen sein, ein kalter Ofen lässt sich nicht sinnvoll messen
Fällt die Prüfung negativ aus, setzt der Schornsteinfeger in der Regel eine Frist von einigen Wochen bis zur Nachbesserung, bevor der Ofen offiziell stillgelegt wird. In der Praxis ist diese Frist meistens ausreichend, um einen Filter nachzurüsten oder die Bestellung für ein neues Gerät aufzugeben – vorausgesetzt, man hat das Thema nicht erst im November angepackt.
Alte Öfen weiterbetreiben: Wann sich das noch lohnt
Nicht jeder ältere Ofen muss weichen. Wenn Sie den Kamin nur an wenigen Abenden im Jahr für die gemütliche Atmosphäre nutzen und nicht als zusätzliche Heizquelle, kann ein Nachrüstfilter durchaus sinnvoll sein, selbst wenn die reine Amortisationsrechnung dagegenspricht. Ein gut erhaltener, optisch ansprechender Ofen aus den frühen 2000er-Jahren mit stabilem Gusseisen-Korpus hält bei geringer Nutzung noch viele Jahre, und ein Filter für 600 bis 900 Euro ist dann günstiger als ein kompletter Austausch samt neuer Montage. Wer den Ofen dagegen an fünfzig oder mehr Abenden im Jahr befeuert, um Heizkosten zu sparen, fährt mit einem neuen, effizienteren Modell meist besser: Moderne Öfen erreichen Wirkungsgrade von 80 bis über 90 Prozent, alte Modelle aus den Neunzigern liegen oft nur bei 60 bis 70 Prozent – der Holzverbrauch für dieselbe Wärmemenge sinkt entsprechend deutlich.
Und was ist mit den wirklich alten, historischen Kachelöfen aus der Zeit vor 1950, die manche Altbauten noch besitzen? Für sie gilt eine andere Regelung: Öfen, die vor dem 1. Januar 1950 errichtet wurden und noch original erhalten sind, fallen unter den Bestandsschutz für Einzelraumfeuerungsanlagen und müssen die Grenzwerte der 1. BImSchV nicht erfüllen – vorausgesetzt, es handelt sich tatsächlich um das historische Original und nicht um einen späteren Nachbau in altem Gehäuse. Der Schornsteinfeger verlangt dafür in der Regel einen Nachweis über das Baujahr, etwa aus alten Bauunterlagen oder einem Gutachten.
Der Ablauf für die nächsten Wochen
- Rufen Sie jetzt bei Ihrem Bezirksschornsteinfeger an und lassen Sie sich das Baujahr Ihres Ofens anhand des Typenschilds bestätigen
- Prüfen Sie bei Öfen aus den Jahren 1995 bis 2010, ob eine Herstellerbescheinigung über die Emissionswerte vorliegt – falls nicht, fragt der Hersteller sie meist gegen Angabe der Seriennummer nach
- Bestellen Sie bei Bedarf frühzeitig trockenes Brennholz, idealerweise bereits abgelagerte Ware mit unter 20 Prozent Restfeuchte
- Bei nötiger Nachrüstung oder Neuanschaffung: Holen Sie zwei bis drei Angebote ein, die Preise unterscheiden sich zwischen Fachbetrieben erfahrungsgemäß um mehrere Hundert Euro für dieselbe Leistung
- Vereinbaren Sie die reguläre Kehrung möglichst im selben Termin wie die Feuerstättenschau, das spart eine Anfahrt und meist auch Geld
Kleine Investitionen, die den Unterschied machen
Neben Filter und Neuanschaffung gibt es günstigere Stellschrauben, die viele Eigentümer übersehen. Ein Feuchtemessgerät für Brennholz kostet, wie erwähnt, kaum mehr als 20 Euro und verhindert, dass zu feuchtes Holz überhaupt erst in den Ofen wandert. Eine neue Türdichtung für 15 bis 40 Euro, je nach Modell, sorgt dafür, dass der Ofen die richtige Menge Verbrennungsluft bekommt – eine undichte Tür lässt zu viel Luft einströmen und verschlechtert die Verbrennung spürbar, was sich direkt in höheren Emissionswerten niederschlägt. Und ein einfacher Rauchgasthermometer, der außen am Ofenrohr angebracht wird und ab etwa 20 Euro erhältlich ist, zeigt an, ob Sie im optimalen Temperaturbereich zwischen 150 und 250 Grad heizen oder mit zu wenig Zugluft unnötig viel Feinstaub produzieren.
Diese drei Anschaffungen zusammen kosten deutlich unter 100 Euro und wirken sich messbar auf die Emissionswerte aus – bei der nächsten Feuerstättenschau macht sich das bemerkbar, und im Alltag brennt das Holz sichtbar sauberer ab, mit weniger Rauchentwicklung beim Anzünden und einer saubereren Sichtscheibe. Wer jetzt im August die Zeit investiert, den Schornsteinfeger-Termin zu vereinbaren, das Brennholz zu prüfen und bei Bedarf nachzurüsten, heizt im Oktober entspannt und ohne bösen Brief vom Kaminkehrer im Briefkasten.