Heizkörper vor der Heizsaison: Entlüften, Abstand halten und der Thermostat-Fehler, der das Zimmer kalt lässt

Der erste richtig kühle Abend im Oktober: Im Wohnzimmer fehlen gefühlt zwei Grad, und die Hand wandert fast automatisch zum Thermostat, Stufe 5, dann wird es schneller warm. Wird es nicht. Wie co2online erklärt, heizt der Heizkörper auf der höchsten Stufe nicht schneller, sondern nur länger, nämlich so lange, bis der Fühler am Thermostat rund 28 Grad registriert, und das ist für ein Wohnzimmer deutlich zu viel. Die Heizperiode dauert laut ADAC von Oktober bis April, und gerade die ersten Wochen entscheiden darüber, ob Ihre Heizkörper den Winter über gleichmäßig arbeiten oder ob Sie bis März gegen kalte Ecken, Gluckergeräusche und Ventile ankämpfen, die zu früh abschalten. Das meiste lässt sich an einem Samstagvormittag erledigen, mit einem Entlüftungsschlüssel aus dem Baumarkt, einem Zollstock und der Bereitschaft, ein Sofa um dreißig Zentimeter zu verrücken.

Stufe 3 reicht: Was die Zahlen am Thermostat wirklich bedeuten

Die Zahlen auf dem Thermostatkopf sind keine Gradangaben, sondern eine grobe Orientierung. Hersteller justieren die Köpfe laut co2online üblicherweise so, dass Stufe 3 eine Raumtemperatur von etwa 20 Grad ergibt, und jede weitere Stufe entspricht grob 3 bis 4 Grad mehr oder weniger. Die Verbraucherzentrale nennt als Richtwerte etwa 12 Grad für Stufe 1, 16 Grad für Stufe 2, 20 Grad für Stufe 3, 24 Grad für Stufe 4 und rund 28 Grad für Stufe 5. Für das Wohnzimmer empfiehlt sie 20 Grad, für das Schlafzimmer 16 bis 18 Grad und für selten genutzte Räume 16 Grad, wobei es dauerhaft nicht unter 16 Grad gehen sollte, weil sonst Schimmel droht. Ein Grad weniger spart nach der Faustregel der Verbraucherzentralen rund 6 Prozent Heizenergie, und co2online ergänzt, dass die Ersparnis bei schlecht gedämmten Altbauten am höchsten ausfällt, während sich kurzes Herunterregeln in gut gedämmten Gebäuden seltener lohnt.

Unser Rat: Stellen Sie Wohnzimmer und Küche auf Stufe 3 und lassen Sie die Köpfe dann in Ruhe. Patrick Plonka vom Armaturenhersteller Oventrop nennt gegenüber co2online als einen der häufigsten Fehler, dass Thermostatventile nur als Auf-Zu-Schalter benutzt werden, statt die gewünschte Temperatur über die Zahlenskala einzustellen. Das Bad bleibt die Ausnahme, denn dort nennt co2online Stufe 4, also etwa 24 Grad.

Heizkörper entlüften: nur bei Bedarf, dann aber sauber

Gluckern, ein Heizkörper, der oben kalt bleibt und unten heiß wird, oder ein Zimmer, das trotz aufgedrehtem Ventil nicht richtig warm wird: Das sind die klassischen Zeichen für Luft im Heizkreis. Die Luftbläschen sammeln sich oben im Heizkörper, verdrängen dort das Heizwasser und werden von der Umwälzpumpe als Gluckergeräusch durch die Leitungen geschoben, wie Viessmann beschreibt. Viele Ratgeber empfehlen, jeden Herbst zu entlüften, der ADAC sieht das nüchterner: Läuft die Heizung leise und wird gleichmäßig warm, müssen Sie nicht jedes Jahr ran, und in modernen, gut gewarteten Anlagen reicht es oft alle zwei bis drei Jahre. Zu häufiges Entlüften kann sogar schaden, weil dabei jedes Mal Wasser verloren geht und der Anlagendruck sinken kann. Prüfen Sie die Heizkörper deshalb zu Beginn der Heizperiode und greifen Sie nur dort zum Schlüssel, wo es gluckert oder oben kalt bleibt. Der Schlüssel selbst, in der Regel ein genormter Vierkantschlüssel, kostet im Baumarkt oder im Sanitärfachhandel nur wenige Euro, und Viessmann warnt ausdrücklich davor, stattdessen mit Zange oder Schraubenzieher zu arbeiten, weil sich die Ventilschraube dabei leicht rund dreht und das Ventil danach nicht mehr schließt. So gehen Sie vor:

  1. Legen Sie Entlüftungsschlüssel, einen kleinen Becher und einen Lappen bereit, denn das austretende Wasser kann heiß sein.
  2. Drehen Sie alle Thermostate voll auf, schalten Sie die Umwälzpumpe ab, falls Sie Zugang dazu haben, und warten Sie 30 bis 60 Minuten, damit sich die Luft oben sammelt. Wer die Pumpe nicht erreicht, etwa als Mieter, dreht laut Verbraucherzentrale ersatzweise nur das Ventil ganz auf und lässt den Heizkörper vollständig warm werden.
  3. Das Entlüftungsventil sitzt oben seitlich, meist auf der Seite gegenüber dem Thermostat. Öffnen Sie es langsam gegen den Uhrzeigersinn, bis die Luft zischend entweicht.
  4. Sobald Wasser kommt, schließen Sie das Ventil wieder.
  5. Bei mehreren Etagen beginnen Verbraucherzentrale und ADAC unten und arbeiten sich nach oben; Viessmann nennt für den Start den höchstgelegenen Heizkörper. Im Zweifel gilt die Anleitung Ihrer Anlage.

Der letzte Schritt wird am häufigsten vergessen: der Blick aufs Manometer. Welcher Druck der richtige ist, hängt laut ADAC von der Anlage und der Gebäudehöhe ab und steht meist am Manometer markiert oder in der Bedienungsanleitung; eine feste Zahl für jedes Haus gibt es nicht. Liegt der Zeiger darunter, informieren Mieter die Hausverwaltung, und auch in einem Mehrfamilienhaus mit Zentralheizung ist das nach Angaben der Verbraucherzentrale der vorgesehene Weg. Eigentümer füllen nur nach Herstellervorgabe nach oder holen einen Fachbetrieb. Lassen Sie die Heizung danach mindestens eine Stunde laufen und prüfen Sie den Heizkörper, der am weitesten vom Kessel entfernt liegt, noch einmal.

Bleibt ein Heizkörper trotz Entlüften kühl, während der Nachbarheizkörper glüht, liegt es selten an der Luft. Dann kommen ein klemmendes Thermostatventil, ein zu niedriger Anlagendruck oder ein fehlender hydraulischer Abgleich infrage, bei dem ein Fachbetrieb die Wassermenge in den einzelnen Heizkörpern aufeinander abstimmt. Die Verbraucherzentrale beziffert die Ersparnis auf etwa 5 Prozent der Heizkosten und hält ihn bei Wärmepumpen und Brennwertkesseln für besonders sinnvoll. Ein Fall für Heimwerker ist er nicht.

Sofa, Vorhang, Verkleidung: Wo die Wärme hängen bleibt

Ein Sofa dicht vor dem Heizkörper und ein bodenlanger Vorhang, der ihn verdeckt, bilden zusammen eine Wärmefalle.

Die Verbraucherzentrale ist bei den Abständen eindeutig: Sofas und Schränke sollten mindestens 30 Zentimeter von der Heizung entfernt stehen, Vorhänge an Fenstern mit Heizkörper darunter nicht bodenlang sein, sondern oberhalb des Heizkörpers enden, und auf Heizkörperverkleidungen sollten Sie verzichten. Dahinter steckt keine Abneigung gegen gutes Einrichten, sondern schlichte Physik: Die Wärme staut sich, kommt nicht richtig im Raum an, das Zimmer wird ungleichmäßig warm, und der Verbrauch steigt. Dazu kommt ein Effekt, den viele nicht kennen. Sitzt der Thermostatkopf hinter einem Vorhang oder einem Möbelstück, misst er die gestaute Wärme statt der Raumtemperatur, und das Ventil schließt, bevor der Raum die gewünschte Temperatur erreicht hat. Der Heizkörper ist dann warm, das Zimmer bleibt kühl, und die Reaktion ist fast immer dieselbe: Man dreht höher, also genau der Fehler vom Anfang.

Unsere Empfehlung: Verzichten Sie auf geschlossene Verkleidungen, auch wenn der alte Rippenheizkörper aus den Siebzigern kein Schmuckstück ist. Ein Anstrich mit Heizkörperlack in einem Weißton, der zur Wand passt, macht ihn optisch deutlich ruhiger und kostet bei dünnem Auftrag kaum Wärme. Ob 30 Zentimeter im 14-Quadratmeter-Wohnzimmer realistisch sind, ist eine andere Frage, denn in kleinen Räumen steht der Heizkörper oft unter dem einzigen Fenster und das Sofa an der einzigen langen Wand. Messen Sie trotzdem nach: Aus „ungefähr einer Handbreit“ werden im Alltag selten dreißig Zentimeter, denn eine Handbreit sind gerade einmal etwa zehn. Lässt der Grundriss keinen Spielraum, halten Sie wenigstens den Thermostatkopf frei und kürzen Sie den Vorhang. Auch Staub und Flusen mindern laut Verbraucherzentrale die Wärmeabgabe, und eine schmale Heizkörperbürste oder der Staubsauger mit Fugendüse erledigt das in fünf Minuten.

Das Thermostat selbst: alte Köpfe, neue Köpfe

co2online geht nach eigenen Erhebungen davon aus, dass von geschätzt 150 Millionen Heizkörperthermostaten in Deutschland etwa die Hälfte älter als 20 Jahre ist, und empfiehlt, Thermostate nach etwa 15 Jahren zu ersetzen, weil alte Köpfe oft gar nicht oder nur unzulänglich auf Temperaturänderungen reagieren. Wenn ein Heizkörper trotz Stufe 3 dauernd zu warm oder zu kalt ist, lohnt sich deshalb zuerst der Blick aufs Alter des Kopfes. Ein programmierbares Modell spart laut co2online im Schnitt etwa 10 Prozent Heizkosten; die Verbraucherzentrale nennt 9 bis 14 Prozent, der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie 15 Prozent. Der Tausch ist nach Angaben der Verbraucherzentrale schnell erledigt und auch in einer Mietwohnung selbst möglich.

Der Haken liegt im Gewinde: Weil es kein Standardgewinde für Thermostate gibt, brauchen Sie bei älteren Ventilen manchmal einen Adapter. Wir empfehlen, mit dem ältesten Kopf im meistgenutzten Raum anzufangen und vor dem Gang in den Baumarkt das Herstellerlogo am Ventilunterteil zu fotografieren, denn daran erkennen Sie, welcher Adapter passt.

Heizkörper streichen, hinterfüttern, dämmen: Was etwas bringt

Wer den Heizkörper nicht verstecken, sondern ruhiger wirken lassen will, streicht ihn. Dafür braucht es hitzebeständigen Heizkörperlack, denn normale Wandfarbe vergilbt, wird klebrig oder platzt ab, und gearbeitet wird nur an einem kalten Heizkörper. Eine dünne, gleichmäßige Schicht beeinträchtigt die Wärmeabgabe nach Angaben mehrerer Ratgeber nicht nennenswert, dicke Lackschichten über alten Anstrichen können die Abstrahlung dagegen mindern. Der Lack muss vollständig durchgetrocknet sein, bevor die Heizung wieder auf voller Leistung läuft, die Trocknungszeit steht auf dem Gebinde. Anfang Oktober schließt sich dafür gerade das Zeitfenster, also streichen Sie an einem milden Tag, solange der Heizkörper noch ausreichend Zeit zum Abkühlen und Trocknen hat.

Die Reflexionsfolie hinter dem Heizkörper wird oft als Geheimtipp gehandelt. Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima schätzt die Ersparnis laut ÖKO-TEST auf höchstens vier Prozent der Heizkosten, und das nur in schlecht gedämmten Häusern. Martin Brandis von der Energieberatung der Verbraucherzentrale sagt dort, der Effekt falle in den meisten Häusern kaum ins Gewicht. Die Folie ist schnell angebracht und schadet nicht, ersetzt aber keine Dämmung.

Wirkungsvoller ist es, die Heizkörpernische zu dämmen, vor allem in Gebäuden aus den 1960er- und 70er-Jahren. Dort ist die Außenwand hinter dem Heizkörper dünner und innen besonders warm, sodass laut Verbraucherzentrale pro Quadratmeter Nische bis zu 30 Euro Heizwärme im Jahr verloren gehen können. Dämmmatten aus Schaumstoff und die üblichen Dämmplatten kosten etwa 15 bis 25 Euro pro Quadratmeter, und wichtig ist, sie an allen Seiten luftdicht anzubringen, weil sonst Schimmel zwischen Dämmung und Wand droht. Echtes Aerogel kann bis zu 100 Euro pro Quadratmeter kosten, und für eine Fläche, die hinter dem Heizkörper verschwindet, ist das selten die richtige Wahl. In der Mietwohnung klären Sie das vorher kurz mit der Vermietung.