Die alte Badewanne aus den späten Achtzigern ist nicht mehr zu retten. Die Fliesen am Boden haben Risse, die Silikonfugen sind schwarz, und der Mischer tropft seit dem Winter. Sie haben drei Angebote von Handwerkern eingeholt — eines für 14.500 Euro, eines für 19.800 Euro und eines für 28.000 Euro. Alle drei für angeblich dieselbe Leistung. Wer hat recht, und wo kommen 13.000 Euro Differenz her?
Die ehrliche Antwort: 2026 kostet eine vollständige Badrenovierung in einem typischen 8 bis 10 Quadratmeter großen Bad in Deutschland zwischen 14.000 und 22.000 Euro — und zwar inklusive Handwerkerlohn, Sanitärobjekten und neuen Fliesen. Wer mehr bezahlt, hat entweder Premium-Markenarmaturen, eine außergewöhnliche Bauunternehmer-Marge oder versteckte Posten im Angebot, die nicht aufgeschlüsselt sind. Wer deutlich weniger bezahlt, bekommt vermutlich Eigenleistung, gebrauchte Fliesen oder ein Angebot ohne Estrich.
Was sich an Preisen seit 2024 wirklich verändert hat
Die Materialkosten für Bäder haben sich in den letzten zwei Jahren auf einem hohen Niveau stabilisiert. Standardfliesen aus deutscher Produktion (Steuler, Villeroy & Boch, Agrob Buchtal) liegen 2026 bei 38 bis 65 Euro pro Quadratmeter, italienische Feinsteinzeugfliesen im Großformat zwischen 55 und 95 Euro. Die echte Veränderung betrifft die Handwerkerstundensätze: Fliesenleger in Bayern und Baden-Württemberg berechnen 2026 zwischen 68 und 82 Euro netto pro Stunde, in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern eher 52 bis 65 Euro. Sanitärinstallateure liegen rund 8 bis 12 Euro darüber. Diese Preise haben sich seit 2024 um etwa elf Prozent erhöht — und sie werden bis 2027 weiter steigen, weil die Innungen über Tarifverhandlungen klagen.
Was wirklich teurer geworden ist: bodengleiche Duschen. Die Anforderungen aus der DIN 18534 für Abdichtungen in Innenräumen sind seit 2017 verbindlich, aber 2024 wurden die Prüfanforderungen verschärft. Eine fachgerechte Abdichtung mit Verbundabdichtung, Dichtbändern und Eckabdichtung kostet inzwischen rund 1.400 bis 2.200 Euro — Material und Arbeit zusammen, nur für die Abdichtung. Wer hier spart, bekommt nach drei Jahren Schimmel im Estrich und einen Versicherungsstreit obendrauf.
Die ehrliche Kostenaufstellung für 2026
Für ein typisches 9 Quadratmeter großes Bad mit Fliesen bis zur Decke, bodengleicher Dusche, Wand-WC, Doppelwaschbecken und neuer Heizung sieht eine realistische Aufschlüsselung 2026 so aus: Demontage und Entsorgung des alten Bads zwischen 1.200 und 1.800 Euro. Estrich erneuern oder ausgleichen 800 bis 1.500 Euro. Sanitärinstallation komplett, also Leitungen, Anschlüsse, Abflüsse, etwa 3.500 bis 5.200 Euro. Elektroinstallation neu, einschließlich Steckdosen mit FI und Beleuchtung, 1.200 bis 1.800 Euro. Fliesenarbeiten Boden und Wand für 9 Quadratmeter Boden plus 28 Quadratmeter Wand kosten 2026 zwischen 2.800 und 4.200 Euro nur als Arbeitslohn, plus Material 1.800 bis 3.200 Euro.
Sanitärobjekte sind die Position, bei der die Spreizung am größten wird. Eine vernünftige Mittelklasse-Ausstattung — Duravit Starck 3, Geberit Vorwandelement, Hansgrohe Mischer — liegt zusammen bei rund 3.200 bis 4.500 Euro. Premium-Ausstattung mit Villeroy & Boch Subway, Grohe Allure und Geberit AquaClean Dusch-WC kommt auf 6.500 bis 9.500 Euro. Hier liegen viele tausend Euro Spielraum, ohne dass die Funktion sich verändert.
Die Posten, die fast jedes Angebot vergisst
- Container für Bauschutt: 380 bis 550 Euro für sieben Tage. Jedes Bad produziert mindestens zwei Kubikmeter Abbruch.
- Trinkwasseranschluss neu nach DVGW W534 — Pflicht seit 2018 bei jeder Sanitärrenovierung. Etwa 600 bis 900 Euro.
- Schornsteinfegerprüfung, falls eine Gastherme im Bad steht, 80 bis 130 Euro.
- Bauschuttgebühr der Kommune, 35 bis 75 Euro.
- Aufpreis für Wochenendarbeit, falls es schnell gehen soll, 15 bis 25 Prozent.
Diese Posten kommen in Standardangeboten oft als „Sonstiges" mit 800 Euro pauschal vor — was knapp die Hälfte deckt. Fragen Sie schriftlich nach der Aufschlüsselung. Ein seriöser Handwerker rechnet sie einzeln auf.
Bodengleiche Dusche: Die Entscheidung, die alles teurer macht — oder nicht
Der Trend zur bodengleichen Dusche ist seit Jahren ungebrochen, und 2026 ist sie in Neubauten praktisch Standard. In Bestandsbädern allerdings entscheidet die Aufbauhöhe alles. Sie brauchen mindestens 100 mm Aufbauhöhe für Ablauf, Gefälle, Estrich und Fliese — wenn Ihr alter Bodenaufbau nur 70 mm hatte, müssen Sie Estrich abstemmen, Trittschall entfernen und neu aufbauen. Das kostet 1.500 bis 2.800 Euro extra, je nach Etage und Lärmbelästigung der Nachbarn.
Eine Punkt-Ablauf-Dusche mit V4A-Edelstahlrost ist die saubere Lösung. Linienabläufe sehen edler aus, kosten aber 200 bis 400 Euro mehr und sind reinigungsintensiver. Verzichten Sie auf günstige Punktabläufe aus dem Baumarkt — TECE drainpoint S oder Geberit Tafelablauf sind die Industriestandards, die der Sanitärinstallateur ohnehin verbauen wird, weil er die Garantie übernehmen muss.
Die Walk-In-Falle
Walk-In-Duschen ohne Tür sind 2026 in fast jedem Showroom zu sehen. Sie sehen großartig aus und funktionieren in einem 12 Quadratmeter Bad einwandfrei. In einem 6 Quadratmeter Bad bedeutet sie: Sie wischen jeden Tag den halben Boden trocken, und der Heizkörper im Bad erreicht die geplante Wirkung nicht, weil Feuchtigkeit überall hängt. Eine Glasabtrennung mit 8 mm Sicherheitsglas und Türanschlag innen kostet 850 bis 1.400 Euro mehr — und spart Ihnen täglich zehn Minuten Wischarbeit.
Fliesen: das Format entscheidet, nicht der Preis
Großformat-Fliesen 60×120 oder 60×60 sind im Trend, aber sie verzeihen keine schlechten Wände. Eine alte Außenwand mit zwei Zentimetern Putzwelle bekommt das Großformat nicht hin — der Fliesenleger braucht eine sauber verputzte oder ausgespachtelte Fläche, sonst entstehen sichtbare Höhensprünge an den Fugen. Wenn die Wände uneben sind, planen Sie 35 bis 60 Euro pro Quadratmeter Vorarbeit ein, oder bleiben Sie bei 30×60 — die verzeiht zwei Millimeter Toleranz und sieht in einem mittelgroßen Bad sowieso besser aus.
Verzichten Sie auf hochglänzende Bodenfliesen. In einem Bad mit Wasser auf dem Boden ist Hochglanz eine Sturzgefahr — und nach DIN 51097 brauchen Sie für nasse Bereiche mindestens Klasse B. Matte Feinsteinzeugfliesen mit Antirutschoberfläche sehen 2026 ohnehin besser aus, weil sie wie Naturstein wirken, nicht wie Plastik aus den Neunzigern.
Wann sich die Eigenleistung lohnt — und wann sie zur Falle wird
Demontage des alten Bads, Streichen, Möbel zusammenbauen, Spiegel anbringen — das können Sie selbst machen und sparen 800 bis 1.500 Euro. Was Sie nicht selbst machen sollten, auch wenn YouTube anders aussieht: Sanitärinstallation, Elektroinstallation und Verbundabdichtung. Bei Wasserschäden zahlt die Versicherung nur, wenn der Anschluss von einem eingetragenen Fachbetrieb gemacht wurde — und der Schornsteinfeger nimmt den Gasthermenanschluss nicht ab, wenn Sie ihn selbst gelegt haben.
Das Verlegen der Fliesen ist die Grenzfrage. Wer schon einmal Fliesen verlegt hat, schafft eine 9 Quadratmeter Wand mit Standardformat 30×60 in zwei Wochenenden. Wer es zum ersten Mal versucht, baut sich eine sichtbare Welle ein, die später jeden Tag stört. Mein Vorschlag: lassen Sie die Fliesen vom Profi legen und übernehmen Sie die Demontage, Vorarbeiten und das Streichen. Die 1.200 Euro Ersparnis lohnen den Stress nicht.
Förderung 2026: was wirklich gilt
Die KfW-Förderung 455-B für altersgerechtes Umbauen ist 2026 weiterhin aktiv und gibt einen Zuschuss von zehn Prozent (maximal 2.500 Euro) für die Einrichtung einer barrierefreien Dusche, breitere Türen und höhensetzende WCs. Die Antragstellung muss vor Beauftragung erfolgen — wer nach Beginn der Arbeiten beantragt, geht leer aus. Das ist die häufigste Falle. Außerdem läuft der Bonus 2026 nur, wenn die Dusche tatsächlich bodengleich wird; nachträgliche Duschwannenmontagen sind nicht mehr förderfähig.
Die steuerliche Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen nach Paragraph 35a EStG ist davon unabhängig. Sie können zwanzig Prozent der reinen Arbeitskosten, maximal 1.200 Euro pro Jahr, von der Steuer absetzen — sofern die Rechnung über einen Bankzahlungseingang lief. Bargeld an den Handwerker streicht diesen Vorteil. Lassen Sie sich also alle Rechnungen schreiben und überweisen Sie. Bei einer 18.000 Euro Renovierung mit etwa 9.000 Euro Arbeitslohn sind das die vollen 1.200 Euro Steuerersparnis pro Jahr.
Wie lange dauert das Ganze realistisch?
Vier Wochen ist die ehrliche Antwort. Eine Werbung verspricht „Badsanierung in zehn Tagen" — das gilt für vorgefertigte Module mit Standardgrundriss, nicht für Bestandsbäder. Realistisch laufen die Arbeiten so ab: Tag eins bis drei Demontage und Entsorgung. Tag vier bis sechs Sanitärrohinstallation. Tag sieben bis neun Elektrik und Estrich. Tag zehn bis vierzehn Estrichtrocknung — die kann nicht beschleunigt werden, sonst lösen sich später die Fliesen. Tag fünfzehn bis vierundzwanzig Fliesenarbeiten und Verbundabdichtung. Tag fünfundzwanzig bis achtundzwanzig Sanitärendmontage, Silikonfugen und Endreinigung.
Während der vier Wochen haben Sie kein Bad. Planen Sie ein Zweitbad, einen Nachbarn oder eine Pension ein — Hotels in Deutschland kosten 2026 im Schnitt 95 Euro pro Nacht, und nach drei Tagen wird das nervig. Wer nur ein Bad hat, sollte eine mobile Toilettenkabine im Hof haben oder bei den Schwiegereltern einziehen. Beides ist nicht charmant, aber realistisch.